{"id":621,"date":"2011-06-17T11:27:27","date_gmt":"2011-06-17T09:27:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dock-berlin.de\/?p=621"},"modified":"2013-12-11T01:50:00","modified_gmt":"2013-12-10T23:50:00","slug":"irrational-computing-von-ralf-baecker","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dock-berlin.de\/?p=621","title":{"rendered":"irrational computing von Ralf Baecker"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-622\" title=\"baecker_01\" src=\"http:\/\/www.dock-berlin.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/baecker_01.png\" alt=\"baecker_01\" width=\"449\" height=\"517\" \/><\/p>\n<p>F\u00fcr eine Projektresidenz in 2011 hat DOCK e.V. mit Unterst\u00fctzung der Schering Stiftung den seit kurzem in Berlin lebenden K\u00fcnstler <strong>Ralf Baecker<\/strong> eingeladen, ein neues Projekt zu entwickeln. Der ehemalige Absolvent der K\u00f6lner Kunsthochschule f\u00fcr Medien ist vor allem mit k\u00fcnstlerischen Arbeiten hervorgetreten, die auf interessante Weise eine Verbindung von Kunst und Wissenschaft aufweisen. In 2010 wa er Stipendiat des Oldenburger Edith-Ru\u00df-Hauses f\u00fcr Medienkunst.<\/p>\n<p>Sein neues k\u00fcnstlerisches Forschungsprojekt &#8211; <strong>&#8220;irrational computing&#8221;<\/strong> &#8211; untersucht und nutzt die unterschiedlichen Eigenschaften von Kristallen, Mineralien und anderen nat\u00fcrlichen Elementen und verbindet diese zu einer digitalen Signalverarbeitungsmaschine \u2013 er baut quasi aus diesen Materialien eine primitive \/ makroskopische CPU, die zentrale Verarbeitungseinheit eines Computers. Moderne Mikroprozessoren sind in ihrer Materialit\u00e4t l\u00e4ngst nicht mehr erfassbar, extreme Miniaturisierung und Black-Box-Aufbau entziehen sich visueller Deutung. Baecker konzentriert sich in seiner neuen Arbeit auf die Umkehrung dieser Miniaturisierung und auf die Materialdimensionen und Qualit\u00e4ten digitaler Vorg\u00e4nge. Baeckers \u00e4sthetischer Ansatz ist es, ausschlie\u00dflich rohe bzw. nat\u00fcrliche Elemente zu verwenden.<\/p>\n<p>Aufgrund der unterschiedlichen elektrischen Eigenschaften der von ihm zu untersuchenden Materialien wie verst\u00e4rken, gleichrichten, verdichten und filtern ist es ihm m\u00f6glich, eine Art &#8220;Urprozessor&#8221; zu entwickeln. Zum Beispiel gl\u00fchen oder leuchten Phosphor, Wolfram oder Siliziumkarbid bei Stromdurchfluss, oder man kann durch spezifische Modifikationen nat\u00fcrlich vorkommender Kristalle wie Germanium, Pyrit oder Silizium halbleitende Eigenschaften erzeugen.<\/p>\n<p>Durch eine gezielte Verschaltung der Materialien und Teile seines &#8220;Versuchsaufbaus&#8221; entsteht eine prozessierende Collage, deren Output eine sich st\u00e4ndig \u00e4ndernde Topographie aus glimmenden\/leuchtenden Fragmenten bzw. Linien ist. Ralf Baecker wird aber auch punktuell Signale dieser Schaltung abnehmen und \u00fcber Kopfh\u00f6rer\/Lautsprecher verst\u00e4rkt wiedergeben. Der Betrachter wird so in die Lage versetzt, akustisch in die komplexen Vorg\u00e4nge innerhalb eines Makroprozessors einzutauchen.<\/p>\n<p>Das Projekt entspricht einer extremen Zoombewegung in die kleinsten &#8220;physikalischen&#8221; Einheiten digitaler Prozesse. An dieser Stelle ist es wichtig zu betonen, dass digitale Systeme in ihrer Funktion logisch und rational konzipiert sind. Jedoch beruht die unterste physikalische bzw. elektrotechnische Ebene (Kristalle mit halbleitenden Eigenschaften) auf Quantenmechanischen also statistischen bzw unvorhersehbaren Vorg\u00e4ngen. Die moderne Computertechnologie hat sozusagen das Chaotische geb\u00e4ndigt bzw. domestiziert. Durch diese Betrachtungsweise entsteht eine L\u00fccke zwischen unseren Vorstellungsbildern digitaler Vorg\u00e4nge\u00a0 und der physikalischen Vorg\u00e4nge.<\/p>\n<p>&#8220;irrational computing&#8221; versucht an dieser Stelle das Gegenteil. Es werden sozusagen die chaotischen und zuf\u00e4lligen Qualit\u00e4ten dieser Materialien verst\u00e4rkt. Das Verhalten der zu bauenden Maschinen-Installation soll zwischen den beiden Polen &#8220;genau&#8221; und &#8220;chaotisch&#8221; changieren.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse von Baeckers k\u00fcnstlerischer Forschung werden in Form einer inszenierten Materialtopographie im Projektraum der Schering Stiftung\u00a0 im Oktober bis Dezember 2011 erstmals pr\u00e4sentiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr eine Projektresidenz in 2011 hat DOCK e.V. mit Unterst\u00fctzung der Schering Stiftung den seit kurzem in Berlin lebenden K\u00fcnstler Ralf Baecker eingeladen, ein neues Projekt zu entwickeln. Der ehemalige Absolvent der K\u00f6lner Kunsthochschule f\u00fcr Medien ist vor allem mit k\u00fcnstlerischen Arbeiten hervorgetreten, die auf interessante Weise eine Verbindung von Kunst und Wissenschaft aufweisen. 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